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25.10.04
Surimi battles the Pink Tastebuds
Im Discounter meiner Wahl was Neues gefunden, zwischen Käse und Wurst: Surimi-Flakes. Neo-Food Trash allererster Kajüte. Da ich als Gefahrensucher noch nie eine solche Herausforderung ausgeschlagen habe, nahm ich die 250 g Gesamteinwaage mal mit nach Hause.
Ich möchte beginnen mit einem Zitat lebensmittelrechtlich vorgeschriebener Poesie, die dem gebildeten Metrosexuellen die Nackenhaare ausfallen läßt:
"Krebsfleisch-Imitat aus
Fischmuskeleiweiß geformt, mit
einer Zuckerart und
Süßungsmittel"
Romantisch!! Ich sehe die Szene vor Augen, bei der dies als Aperitif durchgeht: Das Flackern der auf Bierfilzen geschmackvoll angeordneten Teelichter wirft ein sattes Licht auf das Fantasyplakat (von Kaufhof) an der Wand. Der Kassettenrekorder sorgt mit einer Sammlung von Wolfgang Petrys besten Schmusesongs für die angemessene akustische Untermalung, nur unterbrochen vom sanften Pöch, wenn das Paar in spe mit ihrem PET-Adelskrone auf diese oder jene gemeinsame Vorliebe anstößt. Der Gastgeber, in seinem Ausgeh-Jogginganzug, verläßt kurz den Salon, um in der Küche schon mal die Dose Spaghetti in Tomatensauce auf kleiner Flamme auf Eßtemperatur zu bringen...
Zurück zur Verkostung. Die praktische, wiederverwendbare Plasteschüssel ist schnell geöffnet, die rotweissen Fischbrocken sind schnell auf Zunge oder Brot gelöffelt. Dann entfaltet der Brocken ein feines Nicht-Aroma von Dorschresten, umwickelt mit tatsächlichem Krebs, zergeht auf der Zunge so was von gar nicht, im Abgang wünscht sich der Proband den Weg in die andere Richtung.
Die Packung wartet mit mehr Kleingedrucktem auf als eine mittelschwere Softwarelizenz: Hühnereialbumin, Worchestersauce, Cognac, E160C, Xanthan, Saccharin, E621 (Glutamat), 211, 212 (Benzoate). Alles, was der Körper braucht. Der Hobbyallergiker reibt sich den Hals.
Empfehlenswert für Existenzmüde, die den Freitod als zu krass ansehen, sich aber keine fröhliche Minute mehr gönnen wollen. Fantastisches Mitbringsel für Parties, auf die man muss, aber nicht will (übellauniger Vorgesetzter, Burschen-Ersti-Party) - oder zur Erheiterung bei LebensmittelchemikerInnen (Packung reicht, ich verleihe sie gern).
Posted by younghart at 25.10.04 00:40
Comments
Einspruch Euer Ehren... Die Verwendung des Wortes "Plaste" ist ausschließlich Bewohnern der ehemaligen DDR vorbehalten. Westdeutsche haben gefälligst den Begriff "Plastik" zu verwenden... :-D
Posted by: Sascha Matzke
at 25.10.04 09:56
Von mehreren Menschen, die unmittelbare Erfahrungen mit dem realexistierenden Sozialismus gemacht haben, wurde ich als Ehren-Ossi in diese illustre Runde aufgenommen. Somit habe ich eine Art doppelte Systembürgerschaft und darf wiederholt die Sprachbarriere überqueren - sogar innerhalb eines Satzes!
Posted by: younghart
at 25.10.04 12:41
wir brauchen eine Ost-Talk-Lizenz !
Posted by: Meerjung
at 17.10.05 13:10
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