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11.10.04
Strom und Wasser
Ist ja nun auch schon zwei Wochen her, also wird es Zeit, mal zu berichten über das Konzert von Strom und Wasser im Brain. Mit der kurzen Schubladen-Vorstellung "Akustik-Punk-Kabarett" konnten wohl nicht so unglaublich viel Meute was anfangen, aber so richtig leer war das Brain auch nicht. Anwesende waren angetan.
Nachdem die Vorband schon mal ordentlich Schwung in die Trommelfelle gebracht haben, unter anderem mit dem unentdeckten Smash-hit "Baby, wann gehen wir endlich in den Untergrund?", schurfen 2 Gestalten auf die Bühne, um zu zeigen, wo die Gitarre hängt. Der Sänger Le Ratz erweckt in seiner ersten Bühnenminute den Eindruck mehrerer gespaltener Persönlichkeiten - und nebenbei den Wunsch, es ihm regelmäßig in aller Öffentlichkeit nachzutun. Sein Genosse Peer " Perilyn" Jensen kommt eher ruhig daher, aber die Tatsache, dass er die Nummer eins nicht von der Bühne kickt, versichert einem eine ähnliche geistig-moralische Haltung seinerseits. Nun werden einem die Gitarren um die Ohren gehauen. Allein mit ihren Saiteninstrumenten können die beiden schon Witze reissen.
Die vorgetragenen Texte sind noch großartiger - ein Satz wie "Schweine fahren nicht nur Mercedes Benz, sondern auch Ford Fiesta" sollte öfter gehört werden. Geklaut wird stilistisch bei Reinhard Mey, Grönemeier, teilweise mit Ansage vorher, inklusive Verzerrung im verarschenden Sinne.
Kritik kriegt ab, wer sie verdient: die schweigende Mehrheit, die das wilde Leben ersehnt und alle neidvoll verachtet, die es tun, verklemmte Spesenficker, unabhängig von Stand und Profession, gerne auch mal Studenten. Verherrlicht wird hingegen der mentale Ausnahmezustand, das "Randfigurenkabinett" (downloadable) oder die Arschpartei (in Gründung). Zwischendurch gibt es wohlgesetzte Zwischenansagen, die das Publikum in einer Minute aus dem tiefsmelancholischen Stück zurück in die Richtung des fetten Grinsens holt.
Die Beiden, aus Karlsruhe und Hamburg, kennen sich aus Glasgow, Heinz Ratz schreibt auch noch Bücher und hat noch mindestens 2 Bandprojekte. Er ging gleich nach dem Konzert rum, erwies sich als kompetenter Gesprächspartner und bot CDs feil. Wir griffen zu.
Jetzt gibt es noch mal Publikumskritik. Ihr äußerst aufs Gemüt schlagende Stück über die Abgründe der Menscheit kündigten sie an mit der Beobachtung, dass jetzt wohl das nebenthematische Gebrabbel im Publikum losginge, wurde bestätigt. Muss schon ganz schön ärgerlich sein, dass sich das Verhalten der ZuhörerInnenschaft auch nicht durch vorherige Ansage ändern lässt.
Unser Wunsch: die 2 sollten mal mit Kaltmiete zusammen auftreten - wegen des Namens. Ein Abend mit Kaltmiete, Strom und Wasser sähe gut aus auf Plakaten.
Posted by younghart at 11.10.04 08:03
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