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13.06.04
Schweissen - oder: vor Metall muss man sich nicht fürchten
Da war also der Schweisskurs vom Kulturbüro des AStA. Schrott mitbringen, zusammenfunken, mit nach Hause nehmen.
Also aufstehen, den Kater von der Après-Fète nach der Theateraufführung einpacken und wie es sich gehört zu spät auftauchen.
Es begrüsste uns ein lachender Bart, der irgendwie an Diogenes erinnert und uns gleich in die Schweiss, Schleif- und Frästechniken einwies. Nach anfänglichen Befürchtungen, wie das denn jetzt mit der Hochspannung sei, den ersten Übungen mit Erfolgserlebnissen, und den Warnungen von Dennis Stuart Rose, nicht ohne Schutz in die Schweissfunken zu gucken und ordentlich zu trinken, um die Schwefelverarbeitung in der Niere zu erleichtern, ging es gleich ans eigene Ausprobieren. Denn, so der Meister, Schweissen ist eine Frage der Erfahrung.
Also los geht es. Der Raum ist gerahmt mit sortierten Metallresten, Werkbänken und Maschinen. Sechs Leute teilen sich die Fräsen, Metallsägen, Eisenoxid- und Schutzgasschweissgeräte. Erster Schritt ist die Idee, zweiter die Materialbeschaffung. Was passt denn jetzt zur eigenen Vorstellung? Bei Metallschrott ist es ziemlich einfach, sich in einzelne Materialien zu verlieben, aus denen sich unbedingt was gestalten lassen muss. Das ist aber nicht der Plan. Mein selbstgegebener Auftrag, den Bildungspiraten zu basteln, scheitert fast daran, nicht das richtige Material zu finden. Dann aber doch - für die Augen findet sich was!
Es dengelt, fräst, hämmert, funkt und raucht bereits im ganzen Raum. Manchmal fängt der Holztisch Feuer, denn flüssiges Eisen ist doch ziemlich heiss. Immer wieder rennt wer nach mehr Metallresten, Lochblech wird geschnitten, Metall wird gefräst oder nachgeschliffen, und Dennis wird mit Fragen malträtiert. Ruhig hilft er, den Draht wieder aus dem Schweissgerät herauszulocken, gibt Tipps, ermuntert zum Ausprobieren und erklärt, woran er gerade selbst arbeitet. Und als es Zeit ist für die Mittagspause, beweist er überraschend seine Gastfreundlichkeit mit einem kleinen Imbiss. Kaffee wird organisiert, später kommt Kuchen dazu, und vor allen Dingen kommen Skulpturen ans Licht, mit der am Morgen noch niemand gerechnet hat.
Alle sechs hatten natürlich ihre eigenen Ideen mitgebracht, oft sogar eigenes Material, und Dennis` eigenes Lager stand allen zur Verfügung. Nach und nach entstanden beeindruckende Manifestationen, die meilenweit auseinander lagen - für mich aber auch weit die Erwartungen übertrafen, was an einem Tag zu schaffen wäre. Am Ende waren alle zufrieden und von sich selbst verwundert, was denn so alles geht.
Zum Schluss noch Gruppenfotos mit den Skulpturen, ein paar Tipps, wie und wo sich günstige und brauchbare Schweissgeräte und Verbrauchsmaterialien (quasi der Lötzinn des Schweissers) erwerben lassen, und allgemeine Begeisterung mit der Hoffnung, dass so etwas dringend noch mal gemacht werden muss.
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Mein eigenes Ziel war es, eine möglichst krude Skulptur des Totenkopfes mit Akademikerhut zu produzieren, Totem eines rohen Aufstands, mit dem Ziel, sich das zu holen, was verwehrt wird. Schweissnähte und Einzelteile sollten sichtbar sein, quasi Verarbeitung in Ork-Qualität. Das ist ziemlich schnell so weit gediehen, dass ich das Gefühl hatte, mehr sollte nicht sein. Mir fiel dann noch eine prima Idee für die Augenklappe ein, und schliesslich war ich glücklich: Das Ergebnis ist unglaublich grimmig-hässlich, so wie ich es mir gewünscht habe.
Es ist noch eine Nachbemerkung nötig. Wenn wer - wie ich - denkt, dass so ein bisschen in die Flamme blicken schon nicht schaden wird, wird nachts eines Besseren belehrt. Ein schöner Sonnenbrand auf der Hornhaut, der sich nach Metallspänen untern Augenlid anfühlt und einem selbst der Comutermonitor zu hell werden lässt. Kinners! Aufpassen, sage ich!
Posted by younghart at 13.06.04 13:17
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